Nachhaltigkeit: Weniger tut’s auch!

Über Nachhaltigkeit wird viel gesprochen.

Nachhaltige Mobilität, nachhaltiger Einkauf, nachhaltiges Reisen, nachhaltige Produktion. Alles – von Möbeln, Farben, Lebensmitteln und Kleidung bis hin zu Energie und Produktion – soll nachhaltig sein.

Das kann durchaus überwältigend wirken. Das Gefühl, nicht genug zu leisten und den Anforderungen an ein nachhaltiges Leben und Handeln nicht gerecht werden zu können, kann selbst besonders bewusste Menschen verzweifeln oder ganz aufgeben lassen.

„Es bringt doch ohnehin nichts, was ICH tue.“

Tatsächlich ist es aber wichtig, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit viel Raum einnimmt und dass auch ICH zu Veränderungen beitrage. Wir müssen uns schlicht daran gewöhnen, Nachhaltigkeit in unserem Leben und in unserem Alltag mitzudenken.

Wir gehören zu den sechs Ländern der Welt mit dem höchsten Ressourcenverbrauch pro Kopf. So haben wir in diesem Jahr bereits am 19. März die natürlichen Ressourcen für 2025 aufgebraucht, die Dänemark zur Verfügung stehen – als eines der ersten Länder der Welt. Nur Katar, Luxemburg, die Vereinigten Arabischen Emirate, die USA und Kanada liegen noch davor.
Dieser Tag wird auch als „Country Overshoot Day“ bezeichnet. Für den Rest des Jahres verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde in diesem Zeitraum auf natürliche Weise regenerieren kann.

In nahezu allen Ländern der Welt werden mehr Ressourcen verbraucht, als langfristig zur Verfügung stehen. Dänemark kann nicht die ganze Welt retten, aber wir können und müssen Verantwortung für eine nachhaltigere Entwicklung übernehmen.

Unsere gegenwärtigen Konsummuster und Lebensweisen stellen eine große Belastung für das Klima dar. Neue Technologien allein können das Missverhältnis zwischen unserem Verbrauch und den Ressourcen, die der Planet uns „zur Verfügung stellt“, nicht beheben.

Bedeutet das also, dass wir äußerst genügsam leben müssen? Nein!

Aber wir sind es dem Planeten, uns selbst und nicht zuletzt unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen schuldig, bewusster mit unserem Konsum umzugehen.

Die Folgen von übermäßigem Konsum, Ressourcenverschwendung und dem Raubbau an unserem Planeten liegen nicht erst in der Zukunft. Wir spüren sie bereits seit Langem in Form von Dürren, Überschwemmungen, dem Verlust von Natur und Arten, Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und beeinträchtigtem Wohlbefinden.

Aber tatsächlich können wir alle dazu beitragen, etwas zu verändern!

Reduce, Reuse, Replace kann als Leitgedanke für nachhaltigere Gewohnheiten dienen:

  • Weniger verbrauchen – sei es Energie, Lebensmittel, Kleidung oder Waren im Allgemeinen
  • Mehr wiederverwenden – etwa durch Reparaturen, Wiederverwendung oder Fahrgemeinschaften
  • Auf weniger belastende Alternativen umsteigen – etwa auf regional erzeugte Waren, eine andere Verkehrsart oder umweltverträglichere Materialien

Wir können alle:

  • Als mündige und informierte Menschen Verantwortung übernehmen
  • Neugierig sein und uns über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten
  • Umdenken und gewohnte Handlungen hinterfragen
  • Anerkennen, dass das, was wir tun oder nicht tun, tatsächlich etwas bewirken kann. Jede noch so kleine Handlung trägt zu großen gemeinsamen Veränderungen bei
  • Unseren materiellen Konsum verringern

Für die Schleswigsche Partei ist Nachhaltigkeit wichtig!

Ganz praktisch sind wir seit 1989 mit Gummistiefeln und Spaten unterwegs, um Bäume zu pflanzen. Im Laufe der Jahre sind daraus mehr als 40.000 Bäume und kleine Wälder in ganz Nordschleswig geworden.

Politisch setzen wir uns für den grünen Wandel, Naturschutz, Renaturierung, Recycling und eine grüne Infrastruktur ein.

Konkret wollen wir in den vier nordschleswigschen Kommunen nun den Fokus auf folgende Bereiche richten:

Kleiner bauen und wohnen

In Dänemark sind wir seit Langem daran gewöhnt, reichlich Platz zur Verfügung zu haben. Deshalb wurden in den kommunalen Planungen über viele Jahrzehnte hinweg große Flächen für neuen Wohnungsbau und Gewerbe ausgewiesen. Je größer die Flächen, desto besser – so lautete die Wettbewerbslogik der Kommunen im Ringen um Zuziehende und neue Unternehmen.

Wir wollen, dass Nordschleswig auch künftig Zuziehende und Unternehmen anziehen kann. Die Rahmenbedingungen dafür müssen jedoch neu gedacht und deutlich nachhaltiger gestaltet werden.

Unsere Wohngewohnheiten und die Stadtplanung der Kommunen stellen eine große Belastung für das Klima dar. Wir bauen groß, und wir bauen viel neu. Während ein durchschnittliches neu errichtetes Einfamilienhaus in den 1960er-Jahren 120 Quadratmeter groß war, sind es heute fast 240 Quadratmeter. Dadurch verbrauchen wir größere Mengen an Ressourcen, als die Natur verkraften kann – sowohl bei den Materialien als auch bei der Fläche. Außerdem entstehen bei der Gewinnung und Herstellung von Baumaterialien sowie durch den Energieverbrauch der Gebäude große Mengen CO₂.

Es ist an der Zeit, mutige Entscheidungen zu treffen und bei unseren Bau- und Wohngewohnheiten den Kurs zu ändern.

Auf kommunaler Ebene können wir in neuen Wohnentwicklungsgebieten kleinere Wohnungen vorschreiben und mit Bebauungsplänen den Rahmen dafür setzen, was beim Wohnungs- und Gewerbebau möglich ist und was nicht.

Wir müssen

  • die Zersiedelung von Wohngebieten begrenzen
    stärker auf Nachverdichtung statt auf eine verstreute Siedlungsentwicklung setzen
  • die Sanierung des Wohnungsbestands gezielt vorantreiben
  • den Dialog mit privaten Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern sowie Investorinnen und Investoren suchen, um Unterstützung für nachhaltigeres Bauen zu gewinnen
  • vielfältigen Wohnungsbau fördern – insbesondere Wohnformen für ältere Menschen –, denn dadurch werden bereits bestehende Einfamilienhäuser frei
  • auf gesetzlicher Ebene einfordern, dass die Bauvorschriften und die übergeordnete Gesetzgebung nachhaltiges Bauen fördern

Lebensmittel dürfen nicht verschwendet werden

In Dänemark werden jährlich insgesamt mehr als 800.000 Tonnen Lebensmittel verschwendet (Quelle).

Lebensmittelverschwendung ist im Hinblick auf Nachhaltigkeit und unseren Ressourcenverbrauch ein großes Problem. Lebensmittel werden nicht nur dann verschwendet, wenn wir die Reste unseres Abendessens oder zu alte Lebensmittel in den Mülleimer werfen. Lebensmittel und damit auch Ressourcen werden auf dem gesamten Weg vom Acker bis auf den Teller verschwendet, also entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette.

Lebensmittelverschwendung entsteht in der Landwirtschaft, in der Fischerei, in den Lebensmittelbetrieben, in Supermärkten, Restaurants und Kantinen sowie bei uns zu Hause.

In Dänemark entstehen die größten Verluste im Lebensmitteleinzelhandel und in den privaten Haushalten.

Die Kommunen haben keinen Einfluss auf den gesamten Weg, den Lebensmittel innerhalb der Lebensmittelwertschöpfungskette zurücklegen. Wir haben aber Einfluss darauf, was in unserer Kommune mit den Lebensmitteln geschieht.

Wir müssen

  • die Lebensmittelverschwendung in den nordschleswigschen Kommunen erfassen – in Kindertagesstätten und Pflegezentren, in privaten Haushalten und Unternehmen, darunter Restaurants und der Einzelhandel
  • Informations- und Bildungsangebote für kommunale Einrichtungen und die Bevölkerung bereitstellen, um das Bewusstsein für die Folgen der Lebensmittelverschwendung zu stärken
  • lernen, realistische Einkaufslisten zu erstellen und regional sowie saisonal einzukaufen
  • finanzielle Anreize für Unternehmen und Einrichtungen schaffen, die ihre Lebensmittelverschwendung aktiv reduzieren, beispielsweise durch steuerliche Anreize oder Ermäßigungen bei der Abfallentsorgung
  • ehrenamtliche Arbeit bei Lebensmittelbanken und die Weitergabe überschüssiger Lebensmittel innerhalb der lokalen Gemeinschaften unterstützen

Mehr öffentlicher Verkehr – nicht weniger

Damit der öffentliche Verkehr für die Menschen in den ländlichen Gebieten, den Mittelstädten und den nordschleswigschen Handelsstädten sinnvoll nutzbar ist, muss er zuverlässig und planbar sein und eine alltagstaugliche Taktung bieten.

Und was bedeutet das? Es bedeutet, dass der öffentliche Verkehr auch künftig auf einem gemeinsamen öffentlichen Angebot mit festen Takten und Tarifen beruhen muss, das ganz Nordschleswig miteinander verbindet.

Die private Autonutzung kann dort, wo sie ohnehin stattfindet, den öffentlichen Verkehr durch verschiedene Modelle wie Fahrgemeinschaften und Carsharing ergänzen. Freiwilliges Engagement mit privaten Fahrzeugen kann den öffentlichen Verkehr jedoch nicht ersetzen, da es nicht die erforderliche Verlässlichkeit und Stabilität bietet. Jung und Alt müssen Schule und Arbeit nachgehen und Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten und ärztliche Versorgung erreichen können, ohne einen Führerschein oder ein Auto zu besitzen.

Ein professionelles Angebot muss den Kern des öffentlichen Verkehrs bilden.

Wir müssen

  • deutlich mehr in den öffentlichen Verkehr investieren – das schafft Mehrwert und ermöglicht mehr Freiheit durch öffentliche Mobilität
  • von den Verkehrsunternehmen ein breiteres, flexibleres und modernes öffentliches Verkehrsangebot verlangen – mit einer zentralen Anlaufstelle und über die Grenzen der Kommunen und der Region hinweg
  • uns auf die Hauptlinien konzentrieren, die hinsichtlich Taktung, Fahrzeit und Anschlussmöglichkeiten eine attraktive Alternative zur Fahrt mit dem eigenen Auto sein müssen
  • den Bedarfsverkehr ausbauen – das Angebot muss leichter zugänglich werden, die Qualität muss verbessert und das Serviceniveau erhöht werden
  • öffentliche Verkehrsmittel für Kinder, Jugendliche und Menschen im Ruhestand kostenlos machen
  • die zuständigen gesetzgebenden Stellen auffordern, einfache und wirksame finanzielle Anreize zu schaffen, die Menschen mit eigenem Auto dazu bewegen, ihre Fahrzeuge häufiger für Fahrgemeinschaften zur Verfügung zu stellen