Inger Støjberg von Danmarksdemokraterne hat eine spannende und wichtige Diskussion über Sprache, Integration und Gemeinschaft an unseren weiterführenden Ausbildungseinrichtungen – Ungdomsuddannelserne – angestoßen. Denn natürlich spielt Sprache eine Rolle. Aber eine gesetzliche Vorgabe, an dänischen Ausbildungseinrichtungen nur Dänisch zu sprechen – auch in den Pausen –, ist nicht der richtige Weg.
Wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind, müssen wir miteinander sprechen und einander verstehen können. Das ist sowohl für die Gemeinschaft als auch für die Integration wichtig. Niemand sollte sich ausgeschlossen fühlen, weil andere um einen herum konsequent eine Sprache sprechen, die man nicht versteht.
Doch von dort ist es ein großer Schritt zu der Forderung, dass junge Menschen in den Pausen nicht ihre Muttersprache miteinander sprechen dürfen.
Denn Sprache ist mehr als ein Mittel zur Kommunikation. Sprache ist auch Identität, Gefühl, Beziehung und Familiengeschichte. Das wissen wir in der Schleswigschen Partei besonders gut. Als Partei der deutschen Minderheit wissen wir, dass Deutsch für viele in der Minderheit ein selbstverständlicher Teil des Alltags und der eigenen Identität ist. Das macht uns nicht weniger zu einem Teil der dänischen Gesellschaft. Und es bedeutet auch nicht, dass wir uns weniger für die Gemeinschaft engagieren, in der wir leben.
Diese Erfahrung ist nicht nur für die deutsche Minderheit relevant. Derselbe Grundsatz muss auch für einen jungen Menschen gelten, der mit einem Freund, einem Geschwister oder seinen Eltern Türkisch, Ukrainisch, Englisch oder eine ganz andere Sprache spricht. Wer seine Muttersprache spricht, wendet sich damit nicht automatisch von der dänischen Gesellschaft ab.
Und es sagt auch nichts darüber aus, für welche Werte ein Mensch steht.
Demokratie, Gleichberechtigung, Freiheit, Offenheit und Toleranz sind Werte, auf die wir in der Schleswigschen Partei großen Wert legen. Das Gleiche gilt für Integration. Gerade weil wir eine Gesellschaft wollen, in der Menschen einander begegnen, sich verstehen und Teil der Gemeinschaft sind.
Aber Werte lernt und lebt man in der Begegnung mit anderen Menschen. Sie entstehen nicht dadurch, dass wir per Gesetz bestimmen, welche Sprache junge Menschen in der Pause mit ihren Freunden sprechen dürfen.
Mit einem solchen Gesetz riskieren wir zudem, eine Entwicklung in Gang zu setzen, die immer weiter geht. Heute geht es um die Forderung, in den Pausen Dänisch zu sprechen. Aber welche „Räume“ kommen als Nächstes, in denen Dänisch die einzig erlaubte Sprache sein soll?
Deshalb sollte unser Ziel ein anderes sein: Dänisch soll dort unsere gemeinsame Sprache sein, wo es das Miteinander in der Gesellschaft erfordert. Gleichzeitig muss es
möglich bleiben, dass Menschen auch die Sprachen sprechen können, die Teil ihrer Identität und ihres Lebens sind.
Denn Integration sollte nicht bedeuten, dass man einen Teil seiner Identität ablegen muss, um Teil der Gemeinschaft sein zu können. Sie sollte bedeuten, dass man seine Identität mit in eine Gemeinschaft nehmen kann, in der wir uns zugleich in einer gemeinsamen Sprache und auf der Grundlage gemeinsamer Werte begegnen.
Das ist aus unserer Sicht die stärkere Grundlage für Integration – und für Gemeinschaft.
Randi Damstedt
Stellvertretende Vorsitzende der Schleswigschen Partei

